Ein Bio-Riegel aus Mannheim könnte Ritter Sport das Quadrat wegnehmen – so dreist reagiert die kleine Firma auf die Millionen-Klage

Ritter Sport im Rechtsstreit: Warum die quadratische Schokolade viral geht

Die quadratische Schokolade von Ritter Sport erlebt derzeit einen beispiellosen Anstieg der Online-Aufmerksamkeit. Mit über 5000 Google-Suchanfragen in nur vier Stunden und einem Wachstum von 1000 Prozent entwickelt sich das Unternehmen aus Waldenbuch zum Gesprächsthema – allerdings nicht wegen einer innovativen Geschmacksrichtung. Der deutsche Schokoladenhersteller steckt mitten in einem juristischen Kampf um seine Markenrechte, der grundsätzliche Fragen zum Schutz geometrischer Formen aufwirft und die Grenzen des Markenrechts neu definieren könnte.

Im Zentrum des Rechtsstreits steht die ikonische quadratische Verpackungsform, die Ritter Sport bereits 1996 markenrechtlich schützen ließ. Über Jahrzehnte hat das Unternehmen diese charakteristische Form als unverwechselbares Erkennungsmerkmal etabliert und damit eine einzigartige Markenidentität geschaffen. Nun sieht sich der Traditionshersteller gezwungen, dieses Alleinstellungsmerkmal vor Gericht zu verteidigen – gegen einen Bio-Haferriegel aus Mannheim.

Quadratischer Bio-Haferriegel löst Markenrechtsstreit aus

Die Mannheimer Firma Wacker brachte einen quadratischen Bio-Haferriegel namens „Monnemer Quadrat Bio“ auf den Markt. Für Ritter Sport eine klare Verletzung der eigenen Markenrechte. Das Unternehmen klagte und argumentierte mit der enormen Verkehrsbekanntheit seiner quadratischen Marke. Die Befürchtung: Verbraucher könnten eine Verbindung zwischen den Produkten herstellen, da sowohl Schokoladentafeln als auch Müsliriegel in die Kategorie Süßwaren fallen. Eine mögliche Markenkollision würde den über Jahrzehnte aufgebauten Wiedererkennungswert gefährden.

Das Stuttgarter Landgericht sah die Sachlage im Januar 2025 jedoch anders und wies die Klage ab. Die Begründung: Eine Markenverletzung sei nicht erkennbar. Für den Schokoladenhersteller ein herber Rückschlag, doch das Unternehmen gibt nicht auf. Die Berufung beim Oberlandesgericht Stuttgart ist bereits eingelegt. Der Kampf um das quadratische Monopol geht in die nächste Runde.

Wirtschaftliche Herausforderungen verstärken Bedeutung der Markenidentität

Der Zeitpunkt dieser juristischen Auseinandersetzung verschärft die Situation für Ritter Sport zusätzlich. Das Unternehmen durchlebt wirtschaftlich turbulente Zeiten. Trotz gestiegener Umsätze schrieb der Schokoladenhersteller 2025 Verluste. Explodierende Kakaopreise, erhöhte Energiekosten und teure Logistik belasten die Bilanz massiv. In dieser angespannten Phase wird der Schutz der eigenen Marke existenziell wichtig.

Das Quadrat ist nicht nur eine geometrische Form, sondern repräsentiert einen wesentlichen Teil des Markenwerts. Eine Niederlage vor Gericht könnte einen Präzedenzfall schaffen und anderen Herstellern ermöglichen, ebenfalls quadratische Verpackungen zu verwenden. Die Verwässerung dieser einzigartigen Markenidentität wäre gerade unter wirtschaftlichem Druck besonders schmerzhaft. Es geht um mehr als Formen – es geht um die strategische Positionierung in einem hart umkämpften Markt.

Cleveres Marketing: Vom Quadrat zum Klageriegel

Die Firma Wacker reagierte auf die Klage mit bemerkenswertem Humor und Marketing-Gespür. Das umstrittene „Monnemer Quadrat Bio“ verschwand vorübergehend aus den Regalen. Doch statt sich geschlagen zu geben, lancierte Wacker einen länglichen Riegel mit dem provokanten Namen „Monnemer Klageriegel“. Diese kreative Anspielung auf den Rechtsstreit entwickelte sich zum viralen Hit in sozialen Medien.

Der neue Produktname macht aus einem juristischen Problem eine sympathische Geschichte und zeigt gleichzeitig, dass sich das kleine Unternehmen nicht einschüchtern lässt. Diese geschickte Reaktion verschaffte dem Fall zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit und erklärt teilweise den massiven Anstieg der Suchanfragen zu Ritter Sport. Was als Rechtsstreit begann, wurde zu einem medial beachteten Duell zwischen Tradition und kreativem Unternehmertum.

Grundsatzfrage zum Schutz geometrischer Formen

Der Ausgang dieses Verfahrens könnte weitreichende Konsequenzen für das deutsche Markenrecht haben. Im Kern steht die Frage, ob ein Unternehmen das exklusive Recht auf eine so grundlegende Form wie ein Quadrat beanspruchen kann – besonders wenn es um unterschiedliche Produktkategorien geht. Für Ritter Sport ist das Quadrat das Herzstück jahrzehntelanger Markenarbeit und Investitionen. Das Unternehmen will verständlicherweise nicht zulassen, dass andere von diesem mühsam aufgebauten Wiedererkennungswert profitieren.

Nun muss das Oberlandesgericht Stuttgart entscheiden. Die juristische Auseinandersetzung dürfte noch Monate dauern. Für die Öffentlichkeit ist dieser Fall ein faszinierendes Beispiel, wie Markenrecht, Unternehmensstrategien und kreatives Marketing aufeinandertreffen. Tausende Menschen verfolgen gespannt den Kampf um das Quadrat. Das charakteristische Erkennungsmerkmal von Ritter Sport war noch nie so präsent wie jetzt – wenn auch aus völlig anderen Gründen als ursprünglich beabsichtigt.

Darf Ritter Sport das Quadrat exklusiv besitzen?
Ja das Quadrat gehört Ritter Sport
Nein geometrische Formen sind Allgemeingut
Der Klageriegel ist legendär
Sympathie für das kleine Unternehmen
Ritter Sport übertreibt maßlos

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